Kritik an Luxusbauten im Park




Stuttgart - Im Streit um den Bau von Luxuswohnungen im Park der Villa Berg hat der örtliche Bürgerverein, der das Projekt gutheißt, Kritik an seiner Position zurückgewiesen. Der Stuttgarter Architekt Roland Ostertag spricht sich gegen eine Privatisierung des Parks aus.


Der Verein Berger Bürger halte das Projekt des Stuttgarter Investors Rudi Häussler, der 62 Wohneinheiten im Park plant, für verträglicher als die heutigen SWR-Fernsehstudios, die häufig von Lastwagen angefahren würden, hat Monika Benda vom Verein Berger Bürger erklärt.


Sie wies damit den Vorwurf zurück, die Initiative bliebe bei diesem Thema stumm. Die Haltung des Vereins stehe in keinem Zusammenhang mit dem Umstand, dass Häussler seit zwei Jahren das Vereinsfest finanziell unterstütze. Auch seien Behauptungen falsch, es würde beim Bürgerfest ein Defizit erwartet, das Sponsoren wie Häussler ausgleichen müssten. Tatsächlich hat aber der Verein beim Bezirksbeirat Ost im Zusammenhang mit der Bitte um eine Spende eine der StZ vorliegende Kalkulation eingereicht, in der die "notwendige Unterstützung durch Firmen und öffentliche Mittel", also die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben mit 21.444 Euro beziffert wird.


"Was habt ihr bloß aus den Parks gemacht?"
Indes hat sich Roland Ostertag, ehemals Vorsitzender der Bundesarchitektenkammer, in die Debatte um den Wohnungsbau im Park eingeschaltet. Er fragt: "Was habt ihr bloß aus den innerstädtischen Parks und Gärten gemacht? Mit den übrig gebliebenen Resten wird uns ein Spiegel vorgehalten, was sie uns wert waren. Sie sind Zeugnis der Haltung der Planer, der Architekten, der Politiker der vergangenen Jahrzehnte zu diesen Schätzen."


Ostertag weist darauf hin, dass trotz einer Verdoppelung der Bevölkerungszahl in den vergangenen Jahrzehnten die städtischen Parks "reduziert, sträflich vernachlässigt und als Baulandreserve missbraucht wurden". Noch schlimmer als den Schlossgartenanlagen sei es dem Park der Villa Berg ergangen. Man habe dessen historische, stilistische, charakteristische Strukturen zerstört.


Mit der "drohenden Okkupation und Privatisierung" des Parks stelle sich die Frage, "ob die Missachtung der stadtprägenden Parks und Gärten ungestraft fortgesetzt" werden dürfte. Ostertag sieht die Gefahr, dass der "total verunstaltete Park durch störende private Nutzungen" an Qualität verlieren könnte. Das königliche Erbe dürfe nicht den von der Stadtverwaltung unterstützten Vermarktungsinteressen eines Investors überlassen bleiben. Das Beste wäre seiner Ansicht nach, wenn die Stadt das Gelände und die Gebäude wieder erwerben würde, "einschließlich der von Rolf Gutbrod unsensibel in den Park gebauten SWR-Einrichtungen".



Quelle/Link Stuttgarter Zeitung

10.6.09 10:41

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